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Hundeerziehung

Sollte man ungehorsame Hunde mit einer strengen Hand erziehen ?

26. Oktober 2011 by Hundewiese in Hundeerziehung with 0 Comments

Ab und an klicke ich mich durch Foren wie GuteFrage.net. Dabei stoßt man ab und an auf echt kuriose Fragen oder Antworten. Diesmal war ich Sachen “Hund” unterwegs und dabei fiel mir die Frage ins Auge “Sollte man ungehorsame Hunde mit einer strengen Hand erziehen ?”. Echt verdutzt war ich dann, als ich die konkrete Fragestellung las, die wie folgt formuliert wurde:

Mein Hund pinkelt in die Wohnung, hat mein Sofa zerfleischt, und bellt bei Gewitter wie sonst was …

Ich habe schon alles versucht, sollte ich jetzt mal Gewalt benutzen ?

An alle Hunde Besitzer, habt ihr das auch schonmal gemacht, und hilft das ?

LG

Quelle: GuteFrage.net / User: AlphaGame

Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass ich nicht beabsichtige den User des Forums bloß zu stellen, aber es überrascht mich dann doch schon, dass man so eine Frage erst in einem Forum stellen muss. Ich bin keine Hundetrainerin und würde mich auch nicht als “Hunde-Profi” bezeichnen, auch wenn ich seit meinem 12. Lebensjahr mit Hunden zusammenlebe. Aber ich möchte behaupten, dass ich in diesen 14 Jahren viel über Hunde, ihre Kommunikation und die Art und Weise der Erziehung gelernt habe.

Intuitive Erziehung

Hund - intuitive ErziehungEin Grundverständnis für das Wesen “Hund” ist meines Erachtens natürlich Voraussetzung, damit Hund und Mensch wohlgesonnen miteinander leben können. Dieses Grundverständnis kann man sich über geeignete Bücher, Hundeschulen oder Hundetrainer aneignen. Den in meinen Augen größten Teil der Hundeerziehung macht jedoch die menschliche Intuition aus, da sich im Alltag immer wieder Situationen ergeben, die eben nicht “standardmäßig” ablaufen und damit auch einer individuellen Reaktion bedürfen.

Aus der Intuition heraus weiß ich, dass mein Hund Verhaltensweisen oder Verbote nie verstehen und akzeptieren wird, wenn ich nicht konsequent bei einer Haltung bleibe. Möchte ich also nicht, dass der Hund aufs Sofa geht, dann muss ich ihm das immer verbieten. Kein Hund der Welt versteht, warum er es sonst ein Mal darf und ein anderes Mal eben nicht.

Permanente und dauerhafte Konsequenz ist manchmal natürlich irre schwierig umzusetzen, gerade wenn einen zwei treue Augen bettelnd anblicken. Man sollte sich jedoch vor Augen führen, dass es dem Verhalten des Hundes nicht dienlich ist, wenn diese Konsequenz immer mal wieder einbricht.

Konsequenz vs. Gewalt

We Can TryKonsequenz ist jedoch etwas ganz anderes als Gewalt. Ich kann einem Hund konsequent zeigen, dass ich ein bestimmtes Verhalten nicht mag. Dazu kann man die Tonlage der Stimme verändern, einen Laut produzieren, welchen der Hund nicht mag oder den Hund für einige Minuten aus dem Rudel ausschließen. Wichtig ist, dass diese Reaktion direkt auf die Aktion des Hundes folgt, damit er den Zusammenhang begreifen kann. Dann habe ich die Chance, das Verhalten dauerhaft zu verändern.

Wende ich Gewalt an, spielt man letztlich nur mit der Ängstlichkeit des Hundes und lässt zudem die Bindung zwischen Hund und Mensch zerbröseln. Fühle ich mich wohler bei jemandem, der mich mag, mir aber auch klar zeigt, was geht und was nicht. Oder fühle ich mich bei jemandem wohl, der für mich unberechenbar ist und mich körperlich verletzt? Ich denke, die Antwort ist recht einfach und ich meine, dass es für einen Hund nichts anderes ist.

Gewalt hat für mich in der Hundeerziehung deswegen nichts zu suchen!

Belohnung vs. Ausschluss und Ignoranz

Um meinem Hund etwas beizubringen, nutze ich seinen Spieltrieb und die Lust am Fressen. Das macht Spaß und schmeckt auch noch gut. Mir ist aber auch klar, dass das nicht das Allheilmittel ist. Unsere Sunny beispielsweise wurde viele Jahre von anderen Personen erzogen – oder eben nicht erzogen – und hat ein großes Problem damit, nicht den Weg vorzugeben und damit nicht an der Leine zu ziehen. Das hat einen Grund. Im ersten Schritt haben wir das “An der Leine Gehen” lange Zeit mit Belohnung geübt. Das hatte jedoch keinen dauerhaften Erfolg. Sobald Sunny keine Lust auf Leckerchen hatte, andere Personen mitgingen oder es eben spannendere Dinge zu entdecken gab, gab es für sie kein Halten mehr.

Dog ShadesSchließlich sind wir darauf umgestiegen, ihr zu zeigen, dass uns dieses Verhalten nicht gefällt und haben dem “Laufen an der Leine” nun noch ein Kommando hinzugefügt. Was wir überhaupt von ihr wollen, haben wir ihr gezeigt, indem wir ihr maximal einen “Leinen-Radius” von einem Meter gegeben haben. Sunny hasst es nicht “voranzukommen” und quengelt dementsprechend auch gern mal rum. Das haben wir uns zu Nutze gemacht und immer wenn sich die Leine spannt, musste Sunny zurück in unseren “imaginären Radius”. Erst wenn die Leine wieder entspannt baumelte, gingen wir mit ihr weiter, gepaart mit dem Kommando, dass sie bei uns laufen soll.

Dass Sunny ein echter Sturkopf ist und hinsichtlich mancher Kommandos ein “Motivationsproblem” hat, bemerken wir nun daran, dass sie das entgegengesetzte Kommando “Lauf” auch versteht, wenn wir es nur flüstern. Noch in der gleichen Sekunde zischt sie ab wie eine Rakete. Wobei das Kommando für “An der Leine bei uns laufen” auch gern noch überhört und ignoriert wird. Das wichtigste an der Sache ist jedoch, dieses Kommando konsequent durch zu ziehen, selbst wenn man es eilig hat oder genervt ist.

Für die Veränderung einiger Verhaltensweisen war es uns auch behilflich, Sunny bei einer bestimmten Aktion einfach für kurze Zeit vom Rudel auszuschließen oder auch zu ignorieren. Viele schicken ihre Hunde dann in ihr Körbchen. Das finde ich aber nicht sehr hilfreich, da sich mein Hund in seinem Korb wohlfühlen und dieses nicht als Repressalie empfinden soll. Sunny wollte ein Mal beispielsweise einen Ball nicht wieder hergeben, trotz mehrfacher Aufforderung und dem Versuch, ihr den Ball aus dem Mund zu nehmen. Sie biss sich darin fest. So setzten wir Sunny kurzerhand vor die Wohnungstür. Dort blieb sie ca. 5 Minuten sitzen. Danach öffneten wir die Tür und forderten Sie nochmals auf, den Ball abzugeben. Das tat sie dann auch und durfte damit wieder in die Wohnung zum Rudel. Sie scheint daraus gelernt zu haben, denn es kam seither nicht mehr vor.

Was ich damit sagen will, ist eigentlich folgendes: “unerwünschtes” Verhalten verändert man nicht damit, indem man seinen Hund schlägt. Das machen Leute, die sich leider nicht mehr anders zu helfen wissen, damit noch dazu die Beziehung zu ihrem vierbeinigen Gefährten zerstören und den Hund an sich völlig verstören. Es gibt viele Wege, einem Hund zu verdeutlichen, dass ein bestimmtes Verhalten erwünscht oder unerwünscht ist. Dazu gehört es aber natürlich, dass man seinen Hund einschätzen kann und sich mit der gesamten Materie beschäftigen möchte.

 

Bildquellen:

Hund (04) von Patrick-Fotography bei Flickr
We Can Try von ♥ Lexus2D ♥ bei Flickr
Dog Shades von skycaptaintwo bei Flickr 

 

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