Tierheim Hunde
Ein Hund aus dem Tierheim – oder: So kam Sunny zu uns
Es ist nun tatsächlich schon fast 15 Jahre her, als ich mit ca. 12 Jahren meine erste Fellnase “bekam”. Kitty war eine wunderschöne Schäferhund-Collie-Dame, die aus einem Wurf einer Bekannten meiner Eltern stammte und bereits mit jungen 14 Wochen bei uns einzog. Von Hundeschule bis Schmusestunde hatten Kitty und ich eine wunderbare gemeinsame Zeit, machten täglich die Elbwiesen unsicher und wurden zu dicken Kumpelinen. Wie es der Lauf der Zeit wollte, weilt Kitty nun im Hundehimmel.
Diejenigen, die bereits eine Familien-Fellnase verloren haben, wissen sehr wahrscheinlich, dass es ganz besonders keine “einfache Sache” ist, wenn es sich um den ersten Hund handelt. Ein paar Jahre vergingen, aber mir war auch klar, dass Kitty nicht meine letzte Hundedame gewesen sein sollte, doch war es einige Zeit einfach organisatorisch nicht machbar, eine weitere Fellnase bei mir einziehen zu lassen.
Im letzten Jahr änderte sich das und wieder einmal brannte der Gedanke und Wunsch auf, einem Vierbeiner ein schönes zu Hause schenken zu können. Auch klar war jedoch, dass es ein Hund aus dem Tierheim sein sollte. Oft genug sahen wir uns Tierdokus- und Reportagen an und wussten, dass diese Fellnasen ein neues und hundefreundliches zu Hause am dringlichsten benötigen würden. Gesagt, getan, recherchierten wir via Internet in den Tierheimen der Umgebung. Nahegelegen war natürlich das Tierheim Gelsenkirchen, als auch das Tierheim in Bochum.
Somit ging es an einem Wochenende im November 2010 in das Tierheim Gelsenkirchen. Dort angekommen, waren wir schon etwas geschockt darüber, wie die Hunde dort leben müssen. Natürlich hatten wir keine positiven Erwartung – was soll schon an einem Tierheim wirklich “toll” sein? Natürlich möchte ich nicht bezweifeln, dass man dort das Beste für die Tiere versucht, entsetzt war ich jedoch trotzdem, auf welch engem Raum und wie reizarm die Hunde dort leben.
Abgesehen hatten wir es von vornherein auf Chico, einen damals 5 Jahre alten Dackel-Pinscher-Mix. Es dauerte jedoch keine 15 Sekunden und Chico wurde uns leider mehr oder minder “ausgeredet”. Das zumindest war mein Eindruck auf unsere Nachfrage beim Tierheimpersonal hin, ob man uns zu Chico noch ein paar Dinge sagen könnte und ob Chico bereits in einer Vermittlung sei. Entgegen der recht netten Beschreibung von Chicos Gemüt, sagte man uns recht forsch, dass Chico bissig sei (wegen der Ohren) und er sich sowieso kaum auf jemand fremden einlassen würden. Schon war die Sache für die Mitarbeiterin abgehakt und uns standen die Fragezeichen auf der Stirn. Auch auf zwei weitere Rückfragen hin, schien es uns leider nicht so, als wäre man gewillt, Chico zu vermitteln – oder sagen wir es mal so: einen Annäherungsversuch zu wagen. Gerade weil wir auch gewillt waren, uns durchaus einem “Problemhund” anzunehmen und uns darüber ausführliche Gedanken gemacht haben, waren wir ein wenig geschockt, sahen uns dann noch ein wenig um und verließen das Tierheim schließlich, um in das Bochumer Tierheim zu fahren. Übrigens: Wir waren vor wenigen Wochen wieder einmal im Gelsenkirchener Tierheim – Chico sitzt dort leider immer noch
.
Im Tierheim Bochum angekommen, waren wir erst ein wenig überrascht, da dies für unsere Begriffe ein ziemlicher Gegensatz zum vorher gesehenen Tierheim war. Es war moderner, roch besser und die Zwinger schienen ein wenig größer und sauberer. Alles in allem trotzdem kein Ort, an welchem ein Hund dauerhaft leben sollte. Wir schauten uns also kleine Hunde, große Hunde, junge Hunde und alte Hunde an und verliebten uns schließlich ad hoc in Sunny.
Sunny saß dort schon eine ganze Weile – genau genommen einige Jahre, wie man uns erzählte und kam ursprünglich aus dem Gelsenkirchener Tierheim nach Bochum. Auch sagte man uns, dass Sunny bereits 8 Jahre alt wäre (zumindest schätzte man sie auf dieses Alter), was unsere Tierärztin und wir bis heute jedoch stark bezweifeln.
Wir entschieden uns also für Sunny und somit folgten ca. 5 Wochen, in welchen wir uns Sunny mit Hilfe ihres Ausführers annäherten. Der erste Spaziergang war ein Graus, denn Sunny zog unglaublich an der Leine, noch dazu war es Winter und damit glatt. Nach dem zweiten Treffen nahm uns Sunny auch schon richtig wahr und ignorierte uns nicht mehr so stark, freute sich, wenn wir kamen und spielte mit uns schließlich auch auf der Freilauffläche. Irgendwann war es einfach klar, dass wir drei zusammengehören würden
. Nachdem wir alle Formalitäten geklärt hatten, konnten wir Sunny an einem Freitag Abend am 10.12.2010 endlich zu uns holen. Es war für alle drei irre aufregend – die Autofahrt, das Ankommen im neuen zu Hause, das Miteinander. Sunny markierte zwar sofort ihr Körbchen und inspizierte die komplette Wohnung, doch waren alle so aufgeregt und verwirrt, dass in der Nacht kaum einer ein Auge zu bekam. Seither sind wir zusammen und glücklich miteinander.
Was wir erst später herausfanden, war dass Sunny schon in der WAZ als “Pechhund” Erwähnung fand und wir wundern uns bis heute, warum sie vor uns niemand mit zu sich nach Hause genommen hat. Wie der Name schon sagt, ist sie absolut “sonnig“. Natürlich benötigt sie viel Beschäftigung und Bewegung – aber welcher Hund benötigt das im Grunde nicht? Sunny ist unglaublich schlau und hat in den letzten 11 Monaten sehr viel gelernt und fordert Neues auch immer wieder ein, ebenso wie Kuscheleinheiten. Ja, Sunny hat auch einen Jagdtrieb, aber Sunny ist nun mal auch ein Hund. Und inzwischen sind wir ihr Rudel und das weiß sie. Dementsprechend geht es täglich auch ohne Leine auf den Acker oder in den Wald und wenn sie meint, einen Hasen jagen zu müssen, lässt sie es in den meisten Fällen auch auf Kommando wieder sein.
Alles kein Grund einen Hund nicht zu Hause und in der Familie aufzunehmen, wenn man bereit ist, sich diesem Wesen permanent zu widmen und es zu verstehen. Nur dann ist es auch möglich, Verhaltensweisen oder Macken zu verändern. Gut, dass Sunny nun bei uns ist
Und in diesem Zuge nochmals vielen Dank für die Unterstützung aus dem Bochumer Tierheim – insbesondere an Dirk und Mercedes!
Bildquelle: http://www.derwesten.de/staedte/hattingen/Selbstbewusste-Huendin-id3581270.html
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